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Erinnerung ist eine Form der Begegnung
[ Kahlil Gibran]
Jedes Jubiläum –ein 50-jähriges zumal- bietet Anlass, die Gedanken rückwärts zu schicken, der Anfänge zu gedenken und den Werdegang an sich vorüberziehen zu lassen, mit anderen Worten: der Vergangenheit noch einmal zu begegnen...
Wie und wann hat es mit der Freiwilligen Feuerwehr Treisberg angefangen?
Aufschluss darüber gibt die Chronik: Egon Schimkus, ein Heimatvertriebener aus Ostpreußen (richtiger: aus dem Memelland), der nach dem Krieg ein gutes Jahrzehnt in Treisberg lebte, hat die Geschehnisse der frühen Feuerwehr festgehalten. „Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Gemeinde Treisberg im Taunus“, beginnt sein erster Eintrag. „Am Dienstag, den 01.April 1952 wurde in einer Versammlung aller feuerwehrfähigen Männer die Freiwillige Feuerwehr aus der Taufe gehoben“. Eigens nach Treisberg hierzu angereist waren Regierungsamtmann Bechtel und Kreisinspektor Philippi, wie der Chronist hervorhebt. Josef (Jupp) Göbbel wurde zum ersten Brandmeister gewählt, Heinrich (Heini) Ott zu dessen Stellvertreter. Aus dreizehn Mann hatte die neu ins Leben gerufene Wehr bestanden. Über die Namen ihrer Mitglieder schweigt sich die Chronik allerdings aus. Mit etwas Gedächtnisarbeit jedoch gelingt es, die Männer der ersten Stunde aufzulisten. Außer den bereits erwähnten Führungskräften waren dies: Erich Blumer (U), Alois Buchtalik (U), Herbert Habig (U), Eugen Henrizi, Willi Henrizi (U), Bruno Hodel, Edwin Marx (U), Paul Moos, Albert Ott (U), Richard Sachs (U), Walter Sachs (U). Aufmerksame Leser mögen sich wundern, dass die Freiwillige Feuerwehr Treisberg erst in 2003 ihr 50-jähriges Jubiläum begeht, hatte sie diesen Meilenstein doch schon in 2002 erreicht (Tag der Gründung: 01.04.1952!!). Weil sich dieses Jubiläum jedoch mit „20 Jahre Heimatverein Treisberg e.V.“ überschnitt, wurde allseits beschlossen, die Feuerwehrfeier ein Jahr später anzusetzen.
Doch zurück zu den Anfängen: 2 Jahre nach Gründung erhielt die Feuerwehr eine Motorspritze, eine „TS 8“ mit zuverlässigem VW-Motor. Weil der Löschwasserteich am Ortsende Richtung Finsternthal jedoch allerlei Schmutzpartikel im Wasser aufwies, einen reibungslosen Einsatz der Motorspritze nicht garantieren konnte, musste der malerische Dorftümpel, die alte Weth, einer modernen Wasserzisterne Platz machen. „Die Entwicklung kann nur wenig Rücksicht auf Sentimentalitäten nehmen“, heißt es hierzu in der Chronik. Am 17.12.1959 wurde das neue, unter der Erde angelegte Wasserreservoir mit 120 Kubikmeter Fassungsvermögen seiner Bestimmung übergeben.
Eine Garage neben der Milchsammelstelle im Gemeindehaus diente anfangs als Feuerwehrgerätehalle. Auf dem rückseitigen Friedhof befand sich zum Trocknen der Schläuche ein schlichter Mast, an dem die Teile nach jeder Übung hochgezogen wurden. Doch vor allem die Enge des Raums wurde vom Chronisten beklagt. Das Herausholen der Spritze nehme jeweils kostbare Zeit in Anspruch. Nach wenigen Jahren indes war Abhilfe geschaffen. Am 06.Dezember 1960 wurde direkt neben der Löschwasserzisterne ein neu errichtetes Feuerwehrhaus eingeweiht. Knappe 40.000 DM hatte das Gebäude mit seinem Unterrichts- und Gesellschaftsraum im Obergeschoss, sowie dem 12 m hohen Schlauchtrockenturm gekostet – Eigenleistungen der Feuerwehrmänner nicht mitgerechnet.
Ein neuer Mann stand mittlerweile an der Spitze der Treisberger Wehr, Heinrich Ott. Per Wahl hatte er 1956 den ersten Brandmeister Göbbel abgelöst. Da Heinrich Ott am 17. November 1960 zum neuen Bürgermeister gewählt wurde und der Gesetzgeber es verbietet, beide Ämter gleichzeitig zu bedienen, gab es abermals einen Wechsel. Bruno Hodel hieß der neue Brandmeister. Aufgrund seiner Ämter als Pumpenwart und Rohrmeister gab dieser den Posten als Feuerwehrhauptmann anderthalb Jahre darauf jedoch an Otto Reitz weiter, der dieses Amt bis 1971 inne hatte. Helmut Fritz wurde sein Nachfolger. 1988 übernahm Peter Ott den Posten, bekleidete ihn bis 2004 und gab ihn dann an Hans-Jürgen Neuner ab.
Am 19. Januar des Jahres 1963 wurde die Freiwillige Feuerwehr Treisberg erstmals auf die Probe gestellt. Morgens um 06:30 Uhr heulte die Sirene. Aus Haus Nr. 12 (heute Hunoldstaler Str. 14), direkt gegenüber der Feuerwehrgerätehalle, quoll dicker Qualm. Wochenendmieter Groth hatte am Vorabend tüchtig eingeheizt, um die Räume für den Besuch der Familie Tags darauf vorzuwärmen. Einer der Balken, durch den das Ofenrohr führte, begann zu glimmen und setzte das Fachwerkgebälk in Brand. Mit Hilfe herbeieilender Nachbarn sowie dem Einsatz der Feuerwehr wurde die Brandstelle rasch unter Kontrolle gebracht. Der entstandene Sachschaden hielt sich in Grenzen. Wenige Jahre später erlebte Treisberg einen zweiten Brand. Am 31. Januar 1965, einem Sonntag, stand spätabends die mit Stroh und Gerätschaften gefüllte Feldscheune von Eugen Henrizi auf der Lei plötzlich in hellen Flammen. Wiewohl von der Feuerwehr innerhalb kürzester zeit eine Schlauchleitung ausgelegt wurde und der erste Wasserstrahl alsbald in die Feuersbrunst zischte, war das Gebäude nicht zu retten. Da die Scheune keinen elektrischen Anschluss besaß und eine Selbstentzündung des Ernteguts aufgrund der Jahreszeit auszuschließen war, deutete alles auf Brandstiftung hin. Ein Täter indes wurde nie gestellt.
Neben kleineren Löscheinsätzen im Treisberger Wald – es brannte zum Beispiel mal am Grauen Stein oder auf dem Schuttabladeplatz Häuslingsrain – ist die Ortschaft selbst bis in die Gegenwart hinein von weiteren Bränden verschont geblieben.
Die hiesige Feuerwehr hatte also allen Grund sich neben regelmäßiger Übungen gesellige Stunden zu gönnen. In den Anfangsjahren wurden Busausflüge an Rhein oder Main unternommen, später ist pro Jahr ein Wandertag eingeführt worden, ab Mitte der siebziger Jahre kamen Grillfeste hinzu. Insbesondere über die Tageswanderungen berichtet der Chronist Egon Schimkus ausführlich. Im Jahre 1965 enden seine Einträge allerdings. Grund: der Mann zog um nach Wiesbaden. Ein Nachfolger für die Chronik wurde nicht gefunden. Roland Ott füllte Mitte der 80er Jahre zwar ein paar Seiten, hebt dort unter anderem erfreut hervor, dass die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr von 22 im Jahre 1965 auf 46 im Jahre 1986 angestiegen ist (einschließlich aller passiven Mitglieder), die Folgeseiten der Chronik aber bleiben erneut weiß. In den Protokollbüchern der Jahreshauptversammlungen jedoch finden sich Ereignisse und Aktivitäten der Wehr festgehalten. Erich Blumer hat die Bücher von Anfang an geführt, 1979 übernahm Sohn Reiner dieses Amt, seit 1994 schreibt Bernd Henrizi Protokoll. Die Aufzeichnungen geben unter anderem Auskunft, dass Mitte der 80er Jahre ein gebrauchter Unimog angeschafft wurde, den man 10 Jahre darauf durch eine Ford Transit ersetzte. Da die Treisberger Wehr nunmehr mobil ist, wird sie an Löscheinsätzen innerhalb der Großgemeinde Schmitten eingesetzt.
Eine kleine Besonderheit in Verbindung mit der Treisberger Feuerwehr lohnt es vielleicht zum Schluss noch zu erzählen:
Im Jahre 1958 schaffte die Feuerwehr einen Fernsehapparat an. Im Obergeschoss des Feuerwehrhauses wurde die Errungenschaft zunächst aufgestellt, später fand der Apparat im Gemeindehaus seinen Platz. Vor allem Sportsendungen erfreuten sich großer Beliebtheit, samstags abends zudem die Ratesendung Einer wird gewinnen mit Hans-Joachim Kuhlenkampf oder das Hamburger Ohnesorgtheater. Für die Nutzung des Geräts hatte die Feuerwehr strenge Richtlinien erstellt: Der Apparat durfte nur von Feuerwehrmännern bedient werden, von Nichtmitgliedern galt es Eintrittsgeld zu erheben, der Raum musste stets in einem sauberen Zustand gehalten werden. Mit der Zeit freilich verwässerten die Bestimmungen. Bevor sich Treisberger Privathaushalte in den späten 60er Jahren eigene Fernsehgeräte anschafften, diente der Apparat vor allem den Kindern des Ortes. Sonntags nachmittags etwa sah man sie regelmäßig im abgedunkelten Raum sitzen, wo sie mit Spannung die Western-Serie Bonanza verfolgten.
Jüngere Leser, die heute fast alle ihr eigenes Gerät besitzen, überdies einen Computer mit Zugang zum Internet, mögen Mühe haben, sich die damalige Wirklichkeit vorzustellen. Ältere Herrschaften hingegen werden den Rückblick eher als ein Rendezvous mit der Vergangenheit empfinden – womit sich der Kreis schließen und die eingangs erhobene Aussage sich bestätigen würde, dass nämlich Erinnerung eine Form der Begegnung ist...
... und so stand es im Usinger Anzeiger: (Anfang Dezember 1960)
Ein Beispiel für viele Kleinste Feuerwehr weihte neues Gerätehaus ein
Treisberg (Bu). – „An dieser kleinsten Gemeinde mit der kleinsten Feuerwehr des Kreises könnten sich selbst weit größere Orte ein Beispiel nehmen“. Diese Worte sagte Kreisbrandinspektor Philippi aus Usingen bei der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses des 565 Meter hoch liegenden und knapp 100 Einwohner zählenden Bergdorfes. Mit einem Kostenaufwand von rund 40.000 Mark und tätiger Mithilfe der Feuerwehrmänner entstand nach den Plänen und unter der Bauleitung der Architekten Rudolf und Ernst Kutt aus Usingen ein vorbildlicher Bau. Er konnte jetzt eingeweiht werden.
In strahlend weisem Verputz erhebt sich das neue Gebäude. Neben den zwölf Meter hohen Schlauchtrockenturm besitzt es im unteren Stockwerk einen 42 Quadratmeter grossen Geräteraum mit zwei Toren. Das Obergeschoss füllt ein ebenfalls 42 Quadratmeter grosser Unterrichtsraum, der auch für gesellige Zusammenkünfte gedacht ist.
In diesem hellen Raum, den sich die Wehrmänner in Eigenhilfe geschmackvoll und individuell gestaltet hatten, fand sich nun nach getaner Arbeit eine frohe Festgesellschaft zusammen. Dazu waren auch die Vorstandsmitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes Jakob Bender und Alfred Stephan gekommen.
Architekt Ernst Kutt dankte allen am Bau beteiligten Handwerkern und besonders den Männern der freiwilligen Feuerwehr für ihre tatkräftige Hilfe. mit der Schlüsselübergabe verband er den Wunsch, dass dieses schöne Haus der Ausbildung und steten Bereitschaft für den Dienst am Nächsten dienen möge.
Grossen Beifall fanden die launigen Worte des 77jährigen Bürgermeisters Heinrich Müller, der aus Altersgründen am 1. Januar sein Amt an den kürzlich neugewählten Bürgermeister und derzeitigen Ortsbrandmeister Heinrich Ott übergibt. Heinrich Müller wies darauf hin, dass nach der vor Jahren angeschafften Motorspritze TS8, einer großzügigen Schlauchergänzung und der im vorigen Jahr für 20.000 Mark erbauten Löschwasserzisterne die Gemeinde alles nur Mögliche für einen guten Brandschutz getan habe. Dank zollte er neben den Architekten und Handwerkern besonders seinem Amtsnachfolger, der als Ortsbrandmeister das Projekt gefördert habe. Wenn auch die Ausführung durch die Hochkonjunktur auf dem Bausektor manche Schwierigkeit breitet habe, sei man jetzt doch sehr froh über das gelungene Projekt.
Herzlichen Dank sagte Ortsbrandmeister Ott dem betagten Bürgermeister für seine Aufgeschlossenheit für die Belange des Brandschutzes. Weitere vom kameradschaftlichen Geist getragenen uneigennützige Einsatzbereitschaft, wie sie auch beim Bau dieses Hauses trefflich zum Ausdruck gekommen sei, solle den Dank der Wehrmänner für dies schöne Geschenk abtragen.
Die Feuerwehr Treisberg heute...
Ursprünglich stand das gesamte Obergeschoss des Feuerwehrhauses für Aus- und Fortbildung sowie „Nachlöscheinsätze“ zur Verfügung. Wenige Jahre nach Einweihung des Gebäudes anno 1960 entschied sich die Gemeinde Treisberg jedoch, den 1.Stock in eine Wohnung umzubauen und zu vermieten. Das Leben der Feuerwehr hat sich dann wieder in räumlich beengten Verhältnissen abspielen müssen – bis zum Jahre 2001. Mit Unterstützung der Gemeinde Schmitten und viel Eigenleistung der Feuerwehrkameraden wurde ein neuer Aufenthaltsraum mit Toiletten geschaffen.
Die FFW Treisberg besteht aus dem Feuerwehrverein und der Einsatzabteilung. Insgesamt hat die Wehr 46 Mitglieder (Stand Mai 2003). Pro Jahr werden 12 Übungen abgehalten, sie finden an jedem ersten Mittwoch im Monat statt.
Vorstand des Feuerwehrvereins: Peter Ott, Vorsitzender Werner Marx, stellv.. Vorsitzender Bernd Henrizi, Schriftführer Rolf Blumer, Kassenwart
Alters- und Ehrenabteilung: Peter Ott, Vorsitzender
Vorstand der Einsatzabteilung: Bernd Henrizu, Wehrführer Werner Marx, stellv. Wehrführer Bernd Henrizi, Gerätewart
Mitglieder der Einsatzabteilung: Rolf Blumer Bernd Henrizi Stefan Marx , Gerätewart Werner Marx Andreas Stroh Reinhard Ott Roland Ott Klaus-Dieter Stroh Markus Stroh
Ehrenmitglieder: Otto Reitz, Ehrenwehrführer Harald Bender, Ehrenmitglied
© by FFW Treisberg 2012
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